Gestartet sind wir um 9:00 wir machten uns auf den Weg ins isländische Parlament (Alþingi) in Reykjavík. Nach einer kurzen Sicherheitskontrolle wurden wir dort von einem Guide begrüßt, der früher selbst Lehrer war und heute Jugendlichen erklärt, wie Demokratie in Island funktioniert. Es war spannend zu sehen, wie bewusst man hier versucht, Politik für junge Menschen greifbar und verständlich zu machen.

Das erste zeigte den alten Versammlungsort in Þingvellir, da waren wir gestern könnt ihr gerne dort genauer nachlesen.

Das zweite Bild zeigte die Nationalversammlung von 1851 – ein Schlüsselmoment in der isländischen Geschichte. Im Zentrum steht Jón Sigurðsson, eine der wichtigsten Figuren der Unabhängigkeitsbewegung. Mit erhobener Hand, die fest auf dem Tisch liegt, ruft er die Worte: „Vér mótmælum allir!“„Wir protestieren alle!“ Dieser Satz wurde zum Symbol für den Widerstand eines ganzen Volkes. Ihm gegenüber sitzt der dänische Statthalter Graf Trampe, der als Vertreter des Königs versucht hatte, die Versammlung aufzulösen und die Interessen Dänemarks durchzusetzen.

Nach dieser Einführung trafen wir jemanden, den viele von uns bereits aus der Vorbereitung kannten: Guðmundur Árni Stefánsson, den Fraktionsvorsitzenden der sozialdemokratischen Partei im Alþingi. Er begrüßte uns herzlich, setzte sich mit uns in einen der Räume, und sofort begann eine lebendige Diskussion. Es war kein steifes Politiker-Gespräch, sondern eher ein Dialog auf Augenhöhe. Arni sprach über die Stärken der isländischen Demokratie – die Nähe der Abgeordneten zu den Menschen, die hohe Transparenz, das Vertrauen. Aber er sprach auch ehrlich über die Schwächen, über Probleme, die wir auch aus Deutschland kennen: die Frage, wie man mit rechtspopulistischen Kräften umgeht, wie man öffentliche Gelder gerecht verteilt oder wie man Migration so gestaltet, dass sie für alle Beteiligten fair ist.

Besonders hängen blieb bei uns seine Einschätzung zum Frauenanteil in der Politik. Island gilt in Europa als Vorreiterin, vier der sechs großen Parteien haben einen weiblichen Vorsitz, MinisterpräsidentIN, PräsidentIN, ParlamentspräsidentIN. Doch auch hier ist Gleichberechtigung kein Selbstläufer. Arni machte klar, dass hinter jeder Errungenschaft jahrelange Arbeit und politische Kämpfe stehen.

Auch die Debatte um den öffentlichen Nahverkehr war spannend: Warum gibt es in Island keine Züge? Arni erklärte, wie sehr die Geografie und die geringe Bevölkerungsdichte solche Projekte erschweren und trotzdem spürt man den Wunsch vieler junger Leute, nachhaltige Lösungen zu finden.

Überrascht waren wir, als er auf die Bildungsausgaben zu sprechen kam. Während wir in Deutschland ständig über fehlende Mittel in Schulen klagen, erzählte er, dass viele Isländer*innen der Meinung sind, der Staat investiere zu viel in Bildung für zu wenig Resultate (Bezug auf Insa). Für uns wirkte das wie ein Perspektivwechsel, der zeigt, wie unterschiedlich gesellschaftliche Wahrnehmungen sein können.

Und dann die Frage der EU-Mitgliedschaft: Für uns, als Teil einer Jugendorganisation, die sich europäisch versteht, war es spannend zu hören, warum Island trotz enger Bindungen an Europa bisher nicht beigetreten ist und wie die Bevölkerung in Referenden immer wieder darüber diskutiert. Auch unter unsern Austauschmitgliedern gibt es einige die Bedenken haben, wie sieht es dann mit der Fischerei aus? sind wir dann immer noch so souverän? etc.

Es war faszinierend zu merken, wie sehr uns die Themen verbanden. Migration, Demokratie, die Frage nach gerechter Teilhabe, das sind Themen, die uns als Falken Neukölln genauso beschäftigen wie unsere isländischen Gesprächspartner*innen. In diesem Moment wurde uns bewusst, wie wichtig solche Begegnungen sind: Sie zeigen, dass wir mit unseren Fragen und Kämpfen nicht allein sind, sondern Teil einer größeren, internationalen Bewegung.

Im Anschluss führte uns unser Guide weiter durch das Gebäude. Wir kamen an den Porträts ehemaliger Minister vorbei, unter ihnen die ersten Frauen, die in Island Regierungsämter innehatten. Besonders eindrücklich war für uns auch der Blick in den Plenarsaal, in dem die Abgeordneten tagen. Wir konnten die Sitzordnung sehen und Fragen stellen, wie die Debatten dort ablaufen. Danach besichtigten wir den ehemaligen Senatssaal, bevor wir nach draußen gingen, wo uns zwei Statuen erklärt wurden: eine von der ersten Frau, die in Island politisch aktiv war, und eine von einem Mann, der eine zentrale Rolle in der Geschichte des Landes spielte.

Nach dieser intensiven Begegnung mit der politischen Seite Islands wechselten wir das Thema und machten uns auf den Weg zur berühmten Hallgrímskirkja, der großen Kirche in Reykjavík, die weit über die Stadt hinausragt. Von dort aus teilten wir uns in kleinere Gruppen auf und erkundeten die Stadt. Dabei fielen uns viele bunte Zeichen auf, die für eine offene Gesellschaft stehen LGBTQ+ Themen scheinen hier ein selbstverständlicher Teil des öffentlichen Lebens zu sein. Von Regenbogen-Zebrastreifen bis hin zu kleinen kulturellen Details merkten wir schnell, dass Vielfalt und Gleichberechtigung in Island nicht nur auf dem Papier stehen, sondern im Alltag sichtbar sind.

Am Abend stärkten wir uns in einem bekannten Burger-Restaurant der Hauptstadt – ein perfekter Ausgleich nach einem langen Tag voller Eindrücke. Doch bevor der Tag endete, setzten wir uns noch einmal zusammen zu unserer traditionellen Reflexionsrunde. Diesmal nutzten wir Post-its: Jede und jeder schrieb die wichtigsten Gedanken aus dem Parlament, was ihnen in den Kleingruppen am besten gefallen hat und irgendein Fakt über sich selbst auf und anschließend mussten wir herausfinden wer welchen Zettel geschrieben hat.

Wenn wir auf den Tag zurückblicken, können wir sagen: Er war nicht nur voller spannender Erlebnisse, sondern auch voller wertvoller Erkenntnisse. Wir haben erlebt, wie Demokratie in Island funktioniert, welche historischen Wurzeln sie hat und welche aktuellen Fragen das Land bewegen. Gleichzeitig haben wir gesehen, wie eng Politik, Kultur und Gesellschaft miteinander verwoben sind. Genau das ist es, was Erasmus+ ausmacht: nicht nur neue Orte zu sehen, sondern durch Begegnungen und Gespräche wirklich zu verstehen, wie Menschen in anderen Ländern denken, leben und Politik gestalten.

Wir freuen uns schon darauf, euch bald mehr zu berichten!

Emil, Anita, Ronja


We started the day at 9:00 and made our way to the Icelandic Parliament (Alþingi) in Reykjavík. After a short security check, we were welcomed by a guide who used to be a teacher and now works to explain to young people how democracy in Iceland functions. It was exciting to see how consciously the Parliament tries to make politics tangible and understandable for the younger generation.

The first painting he showed us depicted the old meeting place in Þingvellir – where we had already been yesterday (you can read more about that in our previous post).

The second painting showed the National Assembly of 1851 – a key moment in Icelandic history. At the center stands Jón Sigurðsson, one of the most important figures of the independence movement. With his hand firmly on the table, he declares: “Vér mótmælum allir!”“We all protest!” This sentence became the symbol of an entire nation’s resistance. Opposite him sits the Danish governor, Count Trampe, representing the King, attempting to dissolve the assembly and enforce Denmark’s interests.

After this introduction, we met someone many of us had already heard about during our preparation: Guðmundur Árni Stefánsson, the leader of the Social Democratic parliamentary group. He welcomed us warmly, sat down with us in one of the rooms, and right away a lively discussion began. It wasn’t a stiff politician’s talk, but rather a dialogue at eye level. Arni spoke about the strengths of Icelandic democracy – the closeness of MPs to the people, the high level of transparency, the trust. But he also spoke honestly about the weaknesses, about problems we also know from Germany: how to deal with right-wing populist forces, how to distribute public funds fairly, or how to shape migration in a way that is fair for everyone involved.

What stuck with us most was his assessment of women in politics. Iceland is considered a pioneer in Europe: four of the six major parties have a woman as chair, and currently the country has a female Prime Minister, President, and Speaker of Parliament. Yet even here, equality is not automatic. Arni made it clear that behind every achievement lies years of struggle and political battles.

The debate about public transport was also fascinating: why are there no trains in Iceland? Arni explained how much the geography and the small population density complicate such projects – and yet, you can sense the desire of many young people to find sustainable solutions.

We were surprised when he turned to the topic of education spending. While in Germany we constantly complain about a lack of funding for schools, he explained that many Icelanders think the state spends too much money on education for too little result (something our Icelandic exchange partners, like Insa, also mentioned). For us, it was a real perspective shift that showed how differently societies perceive the same issue.

And then there was the question of EU membership: For us, as part of a youth organization that sees itself as European, it was exciting to hear why Iceland, despite close ties to Europe, has never joined the EU – and how the population keeps debating it in referendums. Even within our exchange group, there were questions: What would happen to the fishing industry? Would Iceland still be as sovereign?

It was fascinating to notice how connected we felt by these topics. Migration, democracy, the question of fair participation – these are issues that concern us as the Falken Neukölln just as much as our Icelandic partners. In that moment, it became clear how important such encounters are: they show us that we are not alone with our questions and struggles, but part of a broader international movement.

After the discussion, our guide continued the tour of the building. We passed portraits of former ministers, including the first women to hold government positions in Iceland. What impressed us most was entering the plenary chamber, where the MPs meet. We were able to see the seating arrangement and ask questions about how debates take place. Afterwards, we visited the former Senate chamber, and outside we were shown two statues: one of the first woman active in Icelandic politics, and another of a man who played a central role in the country’s history.

After this intense encounter with Icelandic politics, it was time to change gears. We headed to the famous Hallgrímskirkja, Reykjavík’s iconic church that towers over the city. From there, we split up into smaller groups and explored the city. We quickly noticed the many colorful signs of an open society – LGBTQ+ themes seem to be a natural part of everyday life here. From rainbow-painted crosswalks to small cultural details, it became clear that diversity and equality in Iceland are not just written down in laws, but visible in daily life.

In the evening, we recharged at a well-known burger restaurant in the capital – a perfect way to end a long day of impressions. But before the day was over, we gathered again for our traditional reflection round. This time, we used Post-its: everyone wrote down their most important thoughts from the Parliament visit, what they had enjoyed most during the city exploration, and one fun fact about themselves. Then we had to guess who had written which note – a playful way to reflect and connect.

Looking back, we can say this day was not only full of exciting experiences, but also full of valuable insights. We learned how democracy in Iceland works, what historical roots it has, and which current debates shape the country today. At the same time, we saw how closely politics, culture, and society are intertwined. And that is exactly what Erasmus+ is about: not just seeing new places, but truly understanding how people in other countries think, live, and practice politics through direct encounters and conversations.

We can’t wait to share more with you soon!

Emil, Anita, Ronja

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