So, das Team ist weg, und die SJ (Sozialistische Jugend) übernimmt die Gruppen und die Technik. Eigentlich läuft alles wie immer: Es gibt Frühstück, Mittagessen, Abendessen, ein tolles Programm und jede Menge Spaß. Aber irgendwie ist es doch anders. Denn mit neuen Leuten am Tisch, die man eigentlich aus einer anderen Rolle kennt, werden die Jugendlichen – als Teil der Teilnehmenden im Zeltlager – auf einmal zu jungen Gruppenleiter*innen.

Das kann die Chance bieten, Dinge mal ganz anders zu machen, als es die Gruppenleitung tun würde. Es kann auch die Chance bieten, ungewöhnliche Dinge zu tun und sich als Gruppe noch einmal ganz anders zu finden. Die jungen Gruppenleiter*innen machen das wirklich fantastisch: Sie kümmern sich liebevoll, haben sich ein tolles Programm ausgedacht – mit Neigungen, Gruppenspielen, Zeit zum Lesen und Basteln, Schwimmen gehen, im Wald Hütten bauen, um es den Kindern so gut wie möglich zu machen.

Viele der Jugendlichen haben bereits eine JuLeiCa (Jugendleiter*innen-Card) gemacht. Das bedeutet, sie sind über Ostern für acht Tage ausgebildet worden, pädagogisch und rechtlich, um mit den Kindergruppen zu arbeiten. Sie haben eine 1. Hilfe-Schulung und die Rote Gesundheitskarte gemacht. Sind auf unserem

Prävention-und Schutzkonzept geschult.

Aber Falkenarbeit ist halt noch viel mehr als nur die rechtliche Seite. Für uns ist die politische Arbeit auch wichtig. Für uns ist es wichtig, dass wir nicht einfach nur die Kinder beschäftigen, sondern mit den Kindern und aus den Kindern heraus ein tolles Programm machen. Ein Programm, in dem sie sich selbst wiederfinden und auch die Ideen, die sie vor dem Zeltlager eingebracht haben, natürlich umsetzen können. Dafür spielt Mitbestimmung eine große Rolle.

Kinder lernen bei uns von klein auf, dass sie nicht einfach nur Mitglied sind, sondern auch mitbestimmen können und sollen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Die jungen Gruppenleiter*innen haben heute die Chance, das alles auch einmal auszuprobieren und kennenzulernen, dass es nicht immer alles so einfach ist. Sie geben den Kindern unglaublich viel. Natürlich ist es immer schöner, von jungen Menschen begleitet zu werden, die das alles noch gar nicht so lange selbst erlebt haben. Man kann besser aufeinander hören, man lernt anders miteinander umzugehen, und es geht alles wesentlich kollegialer ab.

Demokratie bedeutet für uns nicht nur, ab und zu mal die Hand zu heben und irgendwo mitzubestimmen. Demokratie ist ein Prozess, den die Kinder bei uns in den Gruppen, im Zeltlager und auf allen anderen Fahrten lernen. Deshalb ist uns Nachhaltigkeit auch so wichtig. Demokratie ist etwas, das man lernen muss. Demokratie ist etwas, das gewollt sein muss, nicht nur von denen, die sie umsetzen, sondern auch von denen, die die Möglichkeit dazu geben.

Natürlich ist Demokratie auch anstrengend. Es geht immer um Aushandlungsprozesse, und es geht nicht nur darum, einfach die Mehrheit zu haben, sondern gemeinsam um den richtigen Weg zu ringen, sich miteinander auseinanderzusetzen, die Interessen anderer wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Manche Leute sagen, dass man die „Kleinen“ damit nicht überfrachten soll. Aber viele würden staunen, wie selbstverständlich und schnell Kinder ihre Stimme nutzen und lernen wollen, wie sie das Handwerkszeug der Demokratie umsetzen können.

Demokratie bedeutet also in erster Linie auch Mut zu haben, sie zu leben und auszuprobieren. Dabei können auch Dinge entstehen, die nicht immer gleich klappen. Fehler können passieren, oder man sieht ein, dass ein anderer Weg vielleicht schneller und besser gewesen wäre. Aber Fehler zu machen gehört zur Demokratie dazu. Das Wichtige ist, die Chance zu haben, daran zu lernen und zu wachsen und gegebenenfalls einfach auch zu sagen: „Okay, das ist nicht gut gelaufen. Wir überlegen, wie wir es anders und besser machen können.“

Die jungen Gruppenleiter*innen und auch die Kinder haben gezeigt, dass sie hervorragend mit der Situation umgehen. Währenddessen konnte das Team mal einen ganzen Tag ausspannen: Pferde streicheln, lecker essen, am Lagerfeuer kochen, gemeinsam schöne Lieder singen, einfach mal die Beine baumeln lassen und ganz bestimmt vor allem auch eine kräftige Portion Schlaf nachholen. Denn das Bergfest ist bereits vorbei. Das heißt: Die Hälfte des Zeltlagers ist vorbei, und es liegt noch eine Hälfte vor uns.

Auf der einen Seite gilt es, sich langsam darauf vorzubereiten, dass bald die Zelte abgebaut werden und wir alles für ein Jahr wegräumen müssen. Auf der anderen Seite blicken wir voller Vorfreude auf die kommende Gruppenzeit nach dem Zeltlager und planen schon das nächste Jahr. Auf der anderen Seite genießen wir jede Minute die wir haben. 

Wir geben euch hier jeden Tag kleine Berichte über das, was wir tun. Natürlich hoffen wir, dass es euch gefällt, aber auch, dass ihr Anregungen mitnehmt, was ihr in euren Falkengruppen oder auch zu Hause mit den Kindern als Eltern oder Geschwister weiterleben könnt, was die Kinder bei uns schon lernen und euch auch weitergeben können. Macht was draus – es lohnt sich!

Wir sagen für heute: Gute Nacht und Freundschaft!

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