Der heutige Lagertag widmete sich dem Leitthema „Selbstbestimmung und Geschlechtervielfalt“. Ziel war es, Kindern und Jugendlichen einen sicheren Raum zu bieten, um Fragen zu stellen, sich auszutauschen und sich mit Themen wie Körper, Gefühlen, Beziehungen, Sexualität und Geschlechterrollen auseinanderzusetzen.
Am Vormittag gab es in den einzelnen Ringen ein altersgerechtes Gruppenprogramm. Im F-Ring wurde mit passenden Büchern gearbeitet: Gemeinsam wurde gelesen und über die Inhalte gesprochen. Die Kinder konnten Fragen stellen, ihre Gedanken teilen und merkten, dass es viele unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, wer man sein möchte und was sich für einen selbst richtig und gut anfühlt.
In den Ringen RF und SJ standen Sexualität und Selbstbestimmung stärker im Fokus. Zentrale Fragen waren: Wo liegen meine persönlichen Grenzen? Was bedeutet Zustimmung? Wie kann ich eigene Wünsche ausdrücken – und wie respektiere ich die Grenzen anderer? Außerdem wurden sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität und verschiedene Lebensweisen besprochen.
Unser Pädagogischer Ansatz und Schutzkonzept
Für uns als Kinder- und Jugendverband ist sexuelle Bildung ein fester Teil der pädagogischen Arbeit und zugleich ein wichtiger Baustein zur Prävention sexualisierter Gewalt. Kinder und Jugendliche sollen erfahren, dass ihr Körper ihnen gehört, dass sie Grenzen setzen dürfen und dass ihre Fragen ernst genommen werden. Dabei wird bewusst altersgerecht gearbeitet und klar zwischen kindlicher und erwachsener Sexualität unterschieden.
Alle Angebote beruhen auf Freiwilligkeit: Die Teilnehmenden entscheiden selbst, ob und wie stark sie mitmachen. Gleichzeitig werden sie mit ihren Fragen nicht allein gelassen. Wenn Themen rund um Körper, Beziehungen, Gefühle oder Sexualität aufkommen, reagieren die Gruppenleitungen fachlich fundiert, sensibel und passend zum Alter. Der Schutz persönlicher Grenzen sowie die Möglichkeit vertraulicher Beratung sind selbstverständlich.
In den letzten Jahren wurde das Schutzkonzept weiterentwickelt und die Gruppenleitungen gezielt geschult, um Kinder und Jugendliche bei diesen Themen sicher und kompetent zu begleiten. Sexualpädagogik wird dabei nicht als Vermittlung eines „richtigen“ Verhaltens verstanden, sondern als Teil der Bildungsarbeit: Kinder und Jugendliche sollen darin gestärkt werden, eigene Entscheidungen zu treffen, ihre Grenzen wahrzunehmen und zu vertreten, unterschiedliche Lebensweisen zu akzeptieren und sich frei von starren Geschlechterrollen zu entwickeln.
Nach der Mittagspause ging es kreativ und praktisch weiter. In den Neigungsgruppen konnten die Teilnehmenden unter anderem schminken, Fotos machen, sich bei Massagen entspannen, ein Liebesquiz ausprobieren oder eigene Ringe basteln. Es wurde viel gelacht, ausprobiert und miteinander gesprochen. Paare die sich trauen wollten konnten sich eintragen und sich Briefe schreiben und Ringe tauschen,
Einschub in eigener Sache: Und liebe Mitlesende aus eher erzkonservativen Kreisen, die ebenfalls unsere Beiträge verfolgen und sich vielleicht politisch an diesem Beitrag stören: Ihr dürft selbstverständlich anderer Meinung sein – und genau das ist auch gut so. In Deutschland gehen wir respektvoll und tolerant mit unterschiedlichen Meinungen um, solange dieser Austausch auf Augenhöhe und ohne Herabsetzung stattfindet. Wir laden euch ein, eure Perspektiven einzubringen, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen – denn gerade der offene Dialog hilft, Missverständnisse abzubauen und gemeinsam zu verstehen, worum es uns eigentlich geht: um Selbstbestimmung, Achtung und ein Miteinander, in dem jede und jeder so sein darf, wie er oder sie ist.
Am Abend fand eine festliche „Hochzeit“ statt. Wer wollte, konnte sich gemeinsam mit einer Person, die ihm besonders wichtig ist, „trauen“ lassen. Dabei handelte es sich ausdrücklich nicht um eine echte Eheschließung, sondern um eine spielerische, fröhliche Zeremonie, die bewusst mit klassischen Geschlechterrollen brach.
Fragen wie „Wer darf eigentlich wen heiraten?“, „Wer trägt welches Kleid?“ oder „Muss eine Hochzeit so aussehen, wie wir es aus Filmen kennen?“ wurden spielerisch aufgegriffen. Die Kinder und Jugendlichen konnten selbst entscheiden, wie sie die Zeremonie gestalten und mit wem sie diesen Moment teilen wollten.
Abschluss: Feiern und Nachdenken
So wurde aus dem Thema Selbstbestimmung und Geschlechtervielfalt ein Tag, der sowohl zum Nachdenken anregte als auch Freude machte. Es ging darum, Vorurteile zu hinterfragen, Unterschiede auszuhalten und zu feiern und sich selbst die Freiheit zu geben, herauszufinden, wer man ist, was man mag und wer man sein möchte.
Im Anschluss wurde ausgelassen gefeiert: Die „Hochzeit“ mündete in eine Party mit Tanz, Lachen und gemeinsamer Freude. Ein passender Abschluss für einen Tag, der zeigte: Selbstbestimmung bedeutet auch, sich selbst ausprobieren zu dürfen, getragen von einer Gemeinschaft, die einen so annimmt, wie man ist.
Und jetzt gehen wir weitertanzen! Freundschaft













3 Kommentare
Großartig!!!
Liebe Falken, super spannend und inspirierend zu lesen, was ihr bei der Falkenrepublik macht. Ich hoffe alle Teilnehmenden haben Spaß, lernen und lachen viel! Einen wunderschönen Aufenthalt noch wünsche ich euch. mit solidarischen Grüßen, Fabian (SPD Berlin)
Wir finden es so toll, dass die Kids diesen Raum, diesen Austausch und die Sicherheit bekommen, sich zu (hinter)fragen ,auszuprobieren und von euchbegleitet werden! Vielen Dank für diese tolle Arbeit!